Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal

"Der Tintenklecks zeugt von große Mutterliebe"

Renate Inows Abschied aus Wuppertal

 

Lesung aus dem Manuskript mit der Autorin Andrea Behnke

Renate Inow war noch keine zehn Jahre alt, als sie ihre Eltern und ihre Heimatstadt Elberfeld verlassen musste. Die Nationalsozialisten hatten beschlossen, alle Juden und Jüdinnen aus Deutschland zu vertreiben. Deshalb machten sie ihnen das Leben von Jahr zu Jahr immer schwerer: Niemand sollte mehr in Geschäften einkaufen, die jüdische Besitzer hatten, niemand sollte sich mehr von jüdischen Ärzten behandeln lassen, niemand sollte mehr mit Juden befreundet sein. Jüdische Familien mussten melden, wenn sie mehr als 5000 Reichsmark besaßen. Juden mussten ihre Hasutiere abgeben. Sie durften keine Fahrräder merh haben. Sie mussten Nähmaschinen und Telefone abegben. Sie durften nur zu bestimmten Uhrzeiten einkaufen. Jüdische und christliche Kinder sollten nicht mehr miteinander spielen. Im November 1938 – da war Renate gerade neun Jahre alt und im dritten Schuljahr – zündeten fanatische Nationalsozialisten die Synagogen in Elberfeld und Barmen an, und ungefähr 1000 weitere im ganzen Land. In die Wohnung in der Brillerstraße flog ein Stein und traf Renate an der Schulter. Eine Woche spöter durften jüdische Kinder nicht mehr zur Schule gehen.

Allen war klar: Jüdische Familien sollten in Deutschland keine Zukunft mehr haben. Es war gefährlich geworden, hier zu leben. Die Eltern hatten Panik. Vor lauter Angst um ihre Kinder waren sie bereit, sich von ihnen zu trennen und sie in ein sicheres Ausland zu schicken. Irgendwann, so hofften sie, würden sie ihre Kinder wiedersehen.

Die Autorin Andrea Behnke hat die Geschichte des Mädchens Renate Inow aus der Elberfelder Brillerstraße in kindgerecht aufgeschrieben. Dafür hat sie mehrere Male mit Renate Inow, die heute in London lebt, telefoniert.

Zum 95. Geburtstag von Renate (heute: Renie) Inow am 5. August liest Andrea Behnke aus ihrem Text, der im kommenden Frühjahr in dem Berliner Verlag Hentrich & Hentrich als Kinderbuch erscheinen soll.

 

 

 

Renate Inow kurz vor ihrer Abreise nach England (Foto: Begegnungsstätte Alte Synagoge, Sammlung Inow-Harlev)